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Erfahren Sie mehr über das Urteil des LAG Nürnberg, das die Rechte von Gewerkschaften im Streikrecht stärkt.
Rechtsstand:

Rechtliche Grenzen von Streikmaßnahmen: Einblick in das Arbeitskampfrecht

Die Entscheidung

In einer kürzlich ergangenen Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Nürnberg wurde der Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen eine Streikmaßnahme als unbegründet abgewiesen. Dieser Fall beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei der Beurteilung von Streiks und ähnlichen Arbeitskampfmaßnahmen eine Rolle spielen. Der Urteilsspruch bestätigt die grundlegenden Rechte der Gewerkschaften und Arbeitnehmer, verdeutlicht jedoch auch die erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen für die Unterlassung von Streikaktionen.

Verfügungsanspruch und Verfügungsgrund

Das Gericht stellte klar, dass ein Antrag auf Unterlassung einer Streikmaßnahme im einstweiligen Verfügungsverfahren sowohl einen Verfügungsanspruch als auch einen Verfügungsgrund erfordert. Diese Anforderungen sind in § 62 Abs. 2 des Arbeitsgerichtsgesetzes (ArbGG) implizit verankert, der auch im Kontext von Arbeitskämpfen zur Anwendung kommt.

Schutz durch das Grundgesetz

Art. 9 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG) spielt eine zentrale Rolle im Arbeitskampfrecht. Dieser Artikel gewährleistet das Doppelgrundrecht der Koalitionsfreiheit, welches nicht nur den Einzelnen in der Freiheit schützt, eine Gewerkschaft zu gründen oder ihr beizutreten, sondern auch die Koalition selbst in ihrem Bestand und ihren Aktivitäten, sofern diese der Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen dienen.

Freiheit der Kampfmittelwahl

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den das Gericht in seiner Entscheidung hervorhob, ist die Freiheit der Kampfmittelwahl. Gewerkschaften haben demnach ein weitreichendes Ermessen hinsichtlich der Geeignetheit und Erforderlichkeit ihrer Kampfmaßnahmen. Diese Einschätzungsprärogative unterstreicht die Bedeutung, die dem autonomen Handeln der Gewerkschaften im Rahmen gesetzlicher und verfassungsrechtlicher Grenzen zukommt.

Keine zeitliche Begrenzung von Warnstreiks

Zusätzlich stellte das Gericht fest, dass die Dauer von Warnstreiks oder anderen Streikformen rechtlich nicht begrenzt ist. Diese Feststellung bestätigt die Flexibilität, die Gewerkschaften bei der Planung und Durchführung von Arbeitskampfmaßnahmen haben.

Fazit

Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Nürnberg (Az: 3 SaGa 8/23) vom 20. Juli 2023 verdeutlicht die komplexen Anforderungen und Schutzmechanismen, die im deutschen Arbeitsrecht verankert sind, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. deren Vertretungen zu wahren. Sie zeigt auf, dass die Rechtsprechung den Schutz und die Rechte der Gewerkschaften ernst nimmt, dabei aber auch eine klare Linie bei der Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen für Eingriffe in die Streikfreiheit verfolgt.