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Erfahren Sie mehr über den Kündigungsschutz für schwerbehinderte Arbeitnehmer und die Rolle der Schwerbehindertenvertretung.
Rechtsstand:

Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen: Die Rolle der Schwerbehindertenvertretung

Wichtige Präzisierungen zu den Anforderungen

In Deutschland genießen schwerbehinderte Arbeitnehmer besonderen Kündigungsschutz. Eine wesentliche Säule dieses Schutzes ist die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung bei Kündigungsentscheidungen. Das Arbeitsgericht Stuttgart hat in einem Urteil vom 19. September 2018 (Az: 14 Ca 8233/17) wichtige Präzisierungen zu den Anforderungen an die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung vorgenommen. Dieser Beitrag erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Bedeutung dieser Entscheidung.

Gesetzliche Grundlage und ihre Bedeutung

Gemäß § 95 Abs. 2 S. 3 in Verbindung mit S. 1 SGB IX in der bis zum 31.12.2017 gültigen Fassung ist eine Kündigung eines schwerbehinderten Menschen ohne die ordnungsgemäße Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung unwirksam. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Schwerbehindertenvertretung bei allen relevanten Angelegenheiten, die schwerbehinderte Mitarbeiter betreffen, unverzüglich und umfassend zu informieren und vor einer Entscheidung anzuhören. Zudem muss die getroffene Entscheidung der Schwerbehindertenvertretung unverzüglich mitgeteilt werden.

Die Rolle der Schwerbehindertenvertretung im Kündigungsprozess

Die Schwerbehindertenvertretung muss frühzeitig in den Kündigungsprozess eingebunden werden. Das bedeutet, dass die Anhörung der Schwerbehindertenvertretung am Anfang der vom Arbeitgeber zu treffenden Überlegungen stehen muss. Diese Anhörung darf zeitlich nicht hinter die des Betriebs- oder Personalrats zurückgestellt werden. Erst nach dieser Anhörung darf der Arbeitgeber die Zustimmung des Integrationsamts einholen.

Konsequenzen einer unterlassenen Mitteilung

Das Arbeitsgericht Stuttgart hat klargestellt, dass auch das Unterlassen einer unverzüglichen Mitteilung der Kündigungsentscheidung an die Schwerbehindertenvertretung zur Unwirksamkeit der Kündigung führen kann. Diese Regelung unterstreicht die Bedeutung einer transparenten Kommunikation innerhalb des Kündigungsprozesses und dient dem Schutz der Rechte schwerbehinderter Menschen im Arbeitsleben.

Fazit

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts Stuttgart betont die Notwendigkeit einer korrekten und rechtzeitigen Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung bei der Kündigung schwerbehinderter Mitarbeiter. Arbeitgeber müssen sich bewusst sein, dass eine Missachtung dieser Pflichten nicht nur zu rechtlichen Konsequenzen führt, sondern auch das Vertrauensverhältnis zum betroffenen Mitarbeiter und zur Belegschaft insgesamt beschädigen kann. Dieser Fall dient als Mahnung, die gesetzlichen Vorgaben ernst zu nehmen und stets eine offene und respektvolle Kommunikation zu pflegen.

Für Arbeitnehmer und Menschen, die sich für das Arbeitsrecht interessieren, zeigt dieser Fall die Wichtigkeit der rechtlichen Rahmenbedingungen und die Unterstützung, die das Gesetz schwerbehinderten Menschen im Arbeitsleben bietet.