Mehr Infos
Recht-Smart Anwaltskanzlei für Arbeitsrecht und Sozialrecht
Erfahren Sie, unter welchen Umständen im Berufungsverfahren eine erneute Beweisaufnahme zulässig ist und welche gesetzlichen Grundlagen gelten.
Rechtsstand:

Wann ist eine erneute Beweisaufnahme im Berufungsverfahren zulässig?

Das Arbeitsrecht sieht spezifische Regelungen vor, wenn es um die Überprüfung von erstinstanzlichen Gerichtsentscheidungen im Berufungsverfahren geht. Ein zentraler Punkt hierbei ist die Frage, unter welchen Umständen das Berufungsgericht eine Wiederholung der Beweisaufnahme anordnen kann. Diese Frage ist insbesondere relevant, wenn die vorangegangene Entscheidung aufgrund von Beweismitteln getroffen wurde, deren Richtigkeit in der Berufungsinstanz angezweifelt wird.

Gesetzliche Grundlagen der Beweisaufnahme in der Berufung

Nach § 64 Abs. 6 Satz 1 des Arbeitsgerichtsgesetzes (ArbGG) in Verbindung mit § 529 Abs. 1 Nr. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) ist das Berufungsgericht grundsätzlich keine vollumfängliche zweite Tatsacheninstanz. Die überprüfung der erstinstanzlichen Feststellungen ist darauf beschränkt, ob konkrete Anhaltspunkte existieren, die Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Feststellungen begründen und daher eine erneute Beweisaufnahme erforderlich machen.

Kriterien für die Wiederholung der Beweisaufnahme

Die Würdigung der Beweise durch das Arbeitsgericht ist nur dann in Frage zu stellen, wenn im Rahmen der Berufung schlüssig und konkret dargelegt wird, dass ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der erstinstanzlichen Entscheidung bestehen. Es ist erforderlich, dass diese Zweifel so gravierend sind, dass eine erneute Beweisaufnahme als notwendig erachtet wird.

Rationalität und Objektivität bei der Bewertung von Zweifeln

Der § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO zielt darauf ab, dass die Zweifel an der Entscheidung auf objektiv nachvollziehbaren äußeren Tatsachen basieren müssen. Diese Tatsachen sollten bei einer rationalen und objektiven Bewertung ausreichen, um die Richtigkeit oder Vollständigkeit der erstinstanzlichen Urteilsfeststellungen in Frage zu stellen.

Materielle Richtigkeit der Entscheidung

Bei der Beurteilung, ob begründete Zweifel vorliegen, darf das Berufungsgericht die Anforderungen nicht zu hoch ansetzen. Es genügt, dass aufgrund aussagekräftiger Tatsachen vernünftige Zweifel entstehen, die so gewichtig sind, dass sie nicht einfach ignoriert werden können.

Praxisbeispiel: LAG Köln, Urteil vom 14. November 2018

In einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (Az: 11 Sa 990/17) wurden diese Grundsätze angewendet. Das Gericht betonte, dass eine erneute Beweisaufnahme nur dann angeordnet wird, wenn die dargelegten Zweifel an der Richtigkeit der erstinstanzlichen Entscheidung fundiert und substantiiert sind.

Fazit

Die Entscheidung, ob eine erneute Beweisaufnahme im Berufungsverfahren stattfindet, hängt stark von der Qualität der vorgetragenen Zweifel und der Substanz der dafür vorgebrachten Tatsachen ab. Dies gewährleistet, dass das Berufungsverfahren nicht zur reinen Wiederholung der ersten Instanz wird, sondern sich auf wesentliche und begründete Rechtsfragen konzentriert.